„Mein Team zieht nicht mit“ – 5 Zeichen, woran ich erkenne, warum Veränderungen in Apotheken scheitern

„Wir müssten eigentlich viel mehr machen, aber mein Team zieht nicht mit.“

Solche oder ähnliche Aussagen begegnen mir immer wieder in Gesprächen mit Apothekeninhaberinnen und -inhabern. Und ich kann die Herausforderung durchaus verstehen. Die Apotheke verändert sich gerade enorm. Mit dem Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) entstehen neue Möglichkeiten für pharmazeutische Dienstleistungen, Impfungen, Blutentnahmen und weitere Präventionsangebote. Während einige Neuerungen bereits gelten, werden andere erst schrittweise praktisch umsetzbar.

Gleichzeitig läuft das Tagesgeschäft weiter. Die personelle Besetzung wird dadurch schließlich auch nicht automatisch besser und Zeit ist ohnehin schon Mangelware.

Ich erlebe viele Inhaberinnen und Inhaber, die richtig Lust darauf haben, ihre Apotheke weiterzuentwickeln. Die sehen, welche Möglichkeiten entstehen, und die wissen auch, dass sie etwas tun müssen, um langfristig wirtschaftlich erfolgreich zu bleiben. Sie besuchen Fortbildungen, entwickeln neue Ideen und überlegen, wie ihre Apotheke in Zukunft aufgestellt sein soll.

Und dann ist da das Team, das diese Ideen natürlich auch mittragen und umsetzen soll.

Doch warum klappt das manchmal so schwer? Ist es wirklich fehlende Motivation oder gibt es vielleicht ganz andere Gründe, weshalb Veränderungen im Apothekenalltag immer wieder ins Stocken geraten?

Ich habe fünf Zeichen zusammengestellt, die mir in meiner Arbeit mit Apotheken immer wieder begegnen und die zeigen, wo es bei Veränderungen häufig hakt. Dazu gibt es natürlich auch ein paar Impulse, wie ihr gemeinsam besser vorankommen könnt.

Zeichen Nr. 1: Du weißt, wohin du mit deiner Apotheke möchtest, aber dein Team nicht
Zeichen Nr. 2: Bei jeder neuen Idee kommt sofort: „Dafür haben wir keine Zeit“
Zeichen Nr. 3: Zwei oder drei laute Stimmen bestimmen die Meinung des ganzen Teams
Zeichen Nr. 4: Du hast das Gefühl, alles selbst machen zu müssen
Zeichen Nr. 5: Ihr habt viele Ideen, aber nach ein paar Wochen läuft alles wieder wie vorher
Wie Veränderung wirklich funktioniert: fünf Schritte, die ich immer wieder nutze
Die Zukunft deiner Apotheke ist Teamarbeit

Zeichen Nr. 1: Du weißt, wohin du mit deiner Apotheke möchtest, aber dein Team nicht

Du hast dich intensiv mit der Apothekenreform beschäftigt, besuchst Fortbildungen, sprichst mit Kolleginnen und Kollegen und entwickelst Ideen für die Zukunft. Vielleicht möchtest du neue pharmazeutische Dienstleistungen anbieten, stärker in die Prävention einsteigen oder deine Apotheke als Gesundheitszentrum positionieren.

Du siehst die Chancen, die sich daraus ergeben. Dein Team sieht möglicherweise erst einmal zusätzliche Arbeit.

Und genau hier beginnt aus meiner Sicht eine der größten Herausforderungen bei Veränderungsprozessen. Wenn wir uns selbst schon lange mit einem Thema beschäftigen, vergessen wir manchmal, dass andere gedanklich an einem ganz anderen Punkt stehen. Was für uns längst logisch und selbstverständlich ist, kann bei anderen zunächst Fragezeichen auslösen.

Ich bin ein großer Fan davon, Veränderungen in fünf aufeinander aufbauenden Schritten zu betrachten. Darauf komme ich später noch ausführlicher zurück. Was mir dabei immer wieder auffällt, ist, dass häufig direkt beim dritten Schritt angefangen wird, nämlich bei der Wissensvermittlung. Es wird eine Schulung organisiert, die neuen Abläufe werden erklärt und anschließend soll es möglichst direkt losgehen.

Dabei sind zwei ganz entscheidende Fragen bislang offen geblieben: Warum müssen wir überhaupt etwas verändern und was habe ich persönlich davon?

Nehmen wir das Impfen als Beispiel. Natürlich bedeutet das für die Mitarbeitenden zunächst zusätzliche Aufgaben, Schulungen und möglicherweise auch Unsicherheit. Gleichzeitig steckt darin aber ein enormer Mehrwert für unsere Gesundheitsversorgung. Wie schön wäre es, wenn Menschen für ihre Impfung noch selbstverständlicher in die Apotheke gehen könnten, statt dafür einen zusätzlichen Arzttermin vereinbaren zu müssen? Die Apotheke ist gut erreichbar, die Menschen kennen das Team und die Versorgung wird ein Stück niedrigschwelliger.

Wenn ich meinen Mitarbeitenden diesen Nutzen vermittle, entsteht ein ganz anderer Blick auf die neue Aufgabe. Plötzlich geht es um die Frage, wie wir die Gesundheitsversorgung unserer Kundinnen und Kunden verbessern können und welchen Beitrag jeder Einzelne dazu leisten möchte.

Zeichen Nr. 2: Bei jeder neuen Idee kommt sofort: „Dafür haben wir keine Zeit“

Ich glaube, das ist tatsächlich einer der Sätze, die ich in Apotheken am häufigsten höre. Und wenn ich sehe, was im Alltag alles bewältigt werden muss, kann ich diesen Einwand durchaus nachvollziehen. Gerade in personell angespannten Zeiten stellt sich schließlich die Frage, wie zwischen HV, Rezeptbearbeitung, Warenwirtschaft und den vielen anderen Aufgaben auch noch neue Angebote aufgebaut werden sollen.

Allerdings beobachte ich auch, dass wir uns manchmal selbst einen ganz schönen Mind-Fog machen, weil wir vor lauter Möglichkeiten kaum noch erkennen, worauf wir uns eigentlich konzentrieren sollten.

Impfen, Bluttests, DNA-Analysen, Darmberatung, Hautberatung, Mikronährstoffe, Aromatherapie, Heimversorgung, Verblisterung und vielleicht noch ein bisschen Social Media obendrauf. Da kann einem schon mal der Kopf rauchen.

Ich finde die Möglichkeiten, die sich für Apotheken gerade im Bereich Prävention und Gesundheitsförderung ergeben, großartig. Gleichzeitig braucht eine wirtschaftlich erfolgreiche Apotheke eine klare Positionierung. Während größere Betriebe durchaus mehrere spezialisierte Bereiche aufbauen können, halte ich es für eine durchschnittliche Apotheke für wesentlich sinnvoller, sich auf wenige Schwerpunkte zu konzentrieren.

Meine Empfehlung lautet deshalb: maximal drei Themen, für die ihr besonders stehen möchtet.

Welche Kundinnen und Kunden kommen besonders gerne zu euch? Welche Menschen möchtet ihr künftig verstärkt ansprechen? Welche Interessen und Qualifikationen gibt es in eurem Team? Und mit welchen Angeboten könnt ihr euch sinnvoll vom Wettbewerb unterscheiden?

Gerade die Interessen der Mitarbeitenden werden aus meiner Sicht häufig unterschätzt. Dabei kann es unglaublich wertvoll sein, wenn jemand im Team für ein Thema richtig brennt, sich gerne damit beschäftigt und diese Begeisterung auch an die Kundinnen und Kunden weitergibt.

Bei aller Freude an neuen Angeboten spielt natürlich auch die Wirtschaftlichkeit eine entscheidende Rolle. Mich erschüttert es immer wieder, wenn ich von Insolvenzen aus der Apothekenwelt höre, zumal darunter inzwischen auch Unternehmen sind, die ich persönlich kenne. Gleichzeitig bin ich überzeugt, dass die Apotheke der Zukunft enormes Potenzial hat. Gesundheit und Prävention gehören zu den großen Zukunftsthemen und Menschen investieren durchaus in ihre Gesundheit, wenn sie den Wert eines Angebotes erkennen.

Diesen Wert müssen wir allerdings auch vermitteln und unsere Leistungen entsprechend kalkulieren. Dabei sollten sowohl die ohnehin anfallenden Kosten, die sogenannten Eh-da-Kosten, als auch der zusätzliche Aufwand berücksichtigt werden. Schließlich braucht jedes neue Angebot Personal, Qualifikation, gegebenenfalls Ausstattung und vor allem Zeit.

Und gerade beim Thema Zeit lohnt es sich, auch einmal auf die bestehenden Abläufe zu schauen. Welche Prozesse lassen sich vereinfachen oder digitalisieren? Wo können uns moderne Tools oder künstliche Intelligenz unterstützen? Welche Aufgaben könnten wir anders organisieren, damit wieder mehr Raum für die Dinge entsteht, die wir künftig verstärken möchten?

Zeichen Nr. 3: Zwei oder drei laute Stimmen bestimmen die Meinung des ganzen Teams

Eine Dynamik, die ich in Teams immer wieder beobachte, finde ich besonders spannend. Stell dir vor, du hast eine Apotheke mit 20 Mitarbeitenden und möchtest eine neue Dienstleistung einführen. Du stellst deine Idee vor, vielleicht sogar voller Begeisterung, und schon melden sich zwei oder drei Personen, die davon überhaupt nichts halten.

„Das brauchen wir doch nicht“, „Wer soll das denn noch machen?“ oder „Also ich werde ganz bestimmt niemanden impfen“ sind dann typische Reaktionen.

Solche Aussagen können eine erstaunliche Wirkung auf die Stimmung im gesamten Team haben. Denn während die einen sehr deutlich ihre Meinung vertreten, halten sich andere lieber zurück. Vielleicht sitzen in derselben Runde fünf Mitarbeitende, die das Thema eigentlich richtig spannend finden und sich sogar vorstellen könnten, künftig Impfungen durchzuführen. Allerdings braucht es schon ein gewisses Selbstvertrauen, sich gegen die Meinung der lauteren Kolleginnen und Kollegen zu stellen.

So entsteht schnell der Eindruck, dass das gesamte Team gegen eine Veränderung ist, obwohl sich möglicherweise nur wenige Menschen besonders deutlich dagegen ausgesprochen haben.

Mir ist deshalb wichtig, bei Veränderungen genauer hinzuschauen und die unterschiedlichen Stimmen wahrzunehmen. Wer prägt die Stimmung im Team? Wer äußert sich besonders häufig und wer bleibt eher im Hintergrund? Und welche Gründe stecken hinter den Einwänden?

Gerade beim Thema Impfen oder Blutentnahmen kann ich beispielsweise sehr gut verstehen, wenn jemand Bedenken hat. Der Umgang mit Nadeln und Blut ist schließlich etwas, das sich jeder Mensch auch persönlich zutrauen muss. Manche fühlen sich damit wohl, andere haben Berührungsängste und wieder andere entdecken vielleicht erst während einer Schulung, wie es ihnen tatsächlich damit geht.

Aber daraus ergibt sich doch auch eine wunderbare Möglichkeit, Aufgaben im Team nach Interessen und Stärken zu verteilen.

Das machen wir in Apotheken schließlich längst in vielen anderen Bereichen. Oft gibt es ein oder zwei qualifizierte Darmberaterinnen, jemanden mit einer besonderen Leidenschaft für Hautpflege oder Mitarbeitende, die sich intensiv mit Aromatherapie beschäftigen. Genau so kann es doch auch bei neuen pharmazeutischen Dienstleistungen funktionieren.

Ich sage in diesem Zusammenhang gerne: TEAM – Toll, ein anderer macht’s.

Was sonst eher scherzhaft oder kritisch gemeint ist, bekommt hier eine durchaus positive Bedeutung. Denn Teamarbeit lebt schließlich davon, dass unterschiedliche Menschen ihre jeweiligen Fähigkeiten und Interessen einbringen. Wenn sich zwei oder drei Personen für ein neues Thema begeistern, können sie sich gemeinsam qualifizieren, ein Angebot entwickeln und die Umsetzung vorantreiben. Andere Mitarbeitende übernehmen dafür Aufgaben in den Bereichen, die ihnen besonders liegen.

Damit solche Potenziale sichtbar werden, braucht es allerdings auch Räume, in denen sich alle äußern können. In meinen Augen sind deshalb neben den gemeinsamen Teammeetings auch persönliche Mitarbeitergespräche und kleinere Arbeitsgruppen so wertvoll. Hier kommen häufig Gedanken und Wünsche zur Sprache, die in einer großen Runde untergehen.

Zeichen Nr. 4: Du hast das Gefühl, alles selbst machen zu müssen

„Ich muss hier sowieso alles selbst machen.“

Auch diesen Satz höre ich immer wieder und manchmal würde ich dann am liebsten direkt nachfragen, ob das tatsächlich so ist oder ob es vielleicht auch ein bisschen schwerfällt, Verantwortung und Kontrolle abzugeben.

Ich erlebe viele Apothekeninhaberinnen und -inhaber als unglaublich engagierte Menschen, die viel bewegen möchten, voller Ideen stecken und am liebsten überall selbst mit anpacken. Das ist erst einmal eine wunderbare Eigenschaft und häufig auch einer der Gründe, warum sie überhaupt eine eigene Apotheke führen.

Allerdings kann aus diesem Engagement irgendwann eine ziemliche Belastung werden, wenn jede neue Idee automatisch auf dem eigenen Schreibtisch landet.

Du möchtest dich mit Darmgesundheit beschäftigen, Mikronährstoffe anbieten, Impfungen durchführen und vielleicht noch eine besondere Expertise in der Hautberatung aufbauen. Gleichzeitig kümmerst du dich um die wirtschaftliche Entwicklung deiner Apotheke, Personalplanung, Bürokratie, Einkauf und all die anderen Aufgaben, die mit der Selbstständigkeit verbunden sind.

Da kommen schnell fünf, sechs oder acht Themen zusammen, für die du dich persönlich verantwortlich fühlst. Und irgendwann wird es schwierig, allem gerecht zu werden.

Ich mag an dieser Stelle das Bild eines Orchesters besonders gerne. Stell dir vor, du würdest als Dirigentin oder Dirigent versuchen, jedes Instrument selbst zu spielen. Du wechselst zwischen Geige, Trompete, Klavier und Schlagzeug hin und her und wunderst dich irgendwann, weshalb das Ganze so anstrengend ist.

Dabei besteht deine eigentliche Aufgabe doch darin, dafür zu sorgen, dass die richtigen Menschen am richtigen Platz sitzen, ihre Instrumente beherrschen und im Zusammenspiel eine schöne Symphonie entsteht.

Genau so sehe ich auch die Rolle einer Apothekeninhaberin oder eines Apothekeninhabers.

Du gibst die Richtung vor, erkennst die Stärken deiner Mitarbeitenden und schaffst die Rahmenbedingungen, damit sie ihre Fähigkeiten einbringen können. Dazu gehört natürlich auch, Verantwortung abzugeben und darauf zu vertrauen, dass andere Menschen Aufgaben auf ihre eigene Weise gut erledigen.

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Wertschätzung. Und damit meine ich vor allem die ganz alltägliche, verbale Wertschätzung, die im Trubel des Apothekenalltags manchmal untergeht.

Natürlich muss auch die Bezahlung stimmen. Gleichzeitig halte ich wenig von dem Gedanken, dass sich Motivation hauptsächlich über Geld steuern lässt. Ich nenne das gerne „Moneyvation“. Viel nachhaltiger finde ich es, wenn Menschen aus sich heraus begeistert sind, weil sie Freude an ihrer Aufgabe haben, etwas bewegen können und erleben, dass ihre Arbeit gesehen wird.

Ein ehrliches Dankeschön, ein anerkennendes Wort oder das Vertrauen, einen Bereich eigenverantwortlich gestalten zu dürfen, kann dabei unglaublich viel bewirken.

Gerade wenn du das Gefühl hast, alles allein machen zu müssen, lohnt sich deshalb ein genauer Blick auf deine eigene Rolle. Welche Aufgaben gehören tatsächlich zu deinen Kernaufgaben als Inhaberin oder Inhaber? Wo könntest du Verantwortung übertragen? Und welche Mitarbeitenden hätten vielleicht sogar große Freude daran, einen bestimmten Bereich zu übernehmen?

Zeichen Nr. 5: Ihr habt viele Ideen, aber nach ein paar Wochen läuft alles wieder wie vorher

Vielleicht kennst du das aus deiner Apotheke: Ihr habt ein tolles Teammeeting veranstaltet, gemeinsam Ideen gesammelt und beschlossen, künftig einiges anders zu machen. Alle waren motiviert, die Aufgaben wurden verteilt und eigentlich hatte man ein richtig gutes Gefühl. Drei Monate später stellt ihr dann fest, dass sich im Alltag erstaunlich wenig verändert hat. Das ist für mich ein ganz wichtiger Punkt, denn Veränderungen brauchen neben guten Ideen auch Strukturen, die dafür sorgen, dass die neuen Abläufe dauerhaft funktionieren.

Dazu fällt mir immer wieder ein Beispiel aus der Hotellerie ein, das eigentlich jeder kennen dürfte. In vielen Hotels hängen schon seit Jahren kleine Hinweise im Badezimmer, dass Handtücher aus Umweltgründen gerne mehrfach verwendet werden können. Wer sein Handtuch noch einmal benutzen möchte, lässt es hängen. Wer ein frisches haben möchte, legt es auf den Boden. Ich habe das wirklich oft so gemacht, mein Handtuch ordentlich aufgehängt und mich gefreut, damit einen kleinen Beitrag zum Umweltschutz zu leisten. Wenn ich abends zurück ins Hotelzimmer kam, lag dort trotzdem wieder ein frisches Handtuch. Das hat mich immer wieder gewundert, denn die Idee dahinter fand ich schließlich gut.

Warum das passiert ist, kann ich natürlich nur vermuten. Vielleicht haben andere Gäste die kleinen Aufkleber übersehen und sich anschließend an der Rezeption beschwert, weil ihre Handtücher weiterhin im Badezimmer hingen. Vielleicht waren die Abläufe beim Housekeeping auch einfach anders organisiert. Inzwischen erlebe ich in Hotels immer häufiger eine andere Lösung. Dort liegen gut sichtbare Türhänger bereit, mit denen ich selbst entscheiden kann, ob ich mein Zimmer vollständig gereinigt haben möchte, lediglich frische Handtücher brauche oder an diesem Tag ganz auf den Service verzichte. Das finde ich ziemlich smart, denn hier wurde aus meiner Sicht der ursprüngliche Gedanke weiterentwickelt. Die Entscheidung wird für die Gäste deutlich sichtbarer und gleichzeitig lässt sich der gewünschte Service einfacher in die täglichen Abläufe integrieren.

Für mich ist das ein schönes Beispiel dafür, wie wichtig ein gutes Fehlermanagement ist. Wir probieren etwas aus, sammeln Erfahrungen, erkennen, wo es hakt, und entwickeln die Lösung weiter.

Gerade diese Haltung wünsche ich mir auch in Unternehmen viel häufiger. In Deutschland habe ich manchmal den Eindruck, dass wir uns sehr darauf konzentrieren, Fehler zu vermeiden, während wir die Chancen, die im Ausprobieren und Lernen stecken, viel zu wenig nutzen.

Dabei sage ich gerne: Scheiter weiter, schließlich steckt in „Scheiter“ auch das Wort „heiter“.

Eine Idee darf sich im Laufe der Umsetzung verändern. Entscheidend ist doch, dass wir hinschauen, was funktioniert, was wir daraus lernen können und wie wir beim nächsten Versuch noch besser werden.

In Apotheken begegnet mir an dieser Stelle allerdings noch eine andere Herausforderung: Häufig werden Ziele ziemlich unkonkret formuliert. „Wir wollen künftig mehr pharmazeutische Dienstleistungen anbieten“, ist beispielsweise erst einmal ein schöner Vorsatz. Allerdings kann sich jeder Mensch darunter etwas anderes vorstellen. Während die Inhaberin vielleicht an 20 zusätzliche Leistungen im Monat denkt, freut sich das Team schon darüber, wenn fünf umgesetzt werden. Am Ende sind dann womöglich alle unzufrieden, obwohl sich die Beteiligten durchaus engagiert haben.

Deshalb arbeite ich gerne mit SMARTen Zielen. SMART steht für spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Wenn ihr beispielsweise eine neue pharmazeutische Dienstleistung etablieren möchtet, könntet ihr gemeinsam festlegen, wie viele Beratungen ihr innerhalb der nächsten drei Monate durchführen wollt, wer die Verantwortung übernimmt und wann ihr die Ergebnisse auswertet.

Dabei sollte es natürlich auch um die Wirtschaftlichkeit, die Rückmeldungen eurer Kundinnen und Kunden und die Erfahrungen des Teams gehen. Vielleicht stellt ihr fest, dass ein bestimmter Ablauf sehr zeitaufwendig ist oder dass die Nachfrage anders ausfällt als erwartet. Dann habt ihr eine gute Grundlage, um gemeinsam nachzubessern und eure nächsten Schritte anzupassen.

Für solche Reflexionen braucht es feste Gelegenheiten zum Austausch. Und wenn ich sehe, dass es tatsächlich noch Apotheken gibt, in denen kaum regelmäßige Teammeetings stattfinden, wäre das für mich einer der ersten Ansatzpunkte.

Wie Veränderung wirklich funktioniert: fünf Schritte, die ich immer wieder nutze

Ich habe es eingangs bereits angesprochen: Bei Veränderungsprozessen orientiere ich mich gerne am ADKAR-Modell von Prosci. Dahinter stecken fünf aufeinander aufbauende Elemente, die beschreiben, was Menschen brauchen, um Veränderungen erfolgreich mitzugestalten.

Was mir an diesem Modell besonders gefällt, ist, dass es den Menschen in den Mittelpunkt stellt. Denn wir können noch so gute Strategien entwickeln und noch so durchdachte Prozesse planen. Am Ende sind es immer Menschen, die diese Veränderungen im Alltag umsetzen.

Der erste Schritt heißt Awareness, also das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer Veränderung. Hier geht es um die Frage: Warum sollten wir überhaupt etwas verändern und warum gerade jetzt? Für Apotheken könnte das beispielsweise bedeuten, gemeinsam über die aktuellen Entwicklungen in der Gesundheitsversorgung, die wirtschaftliche Situation und die Chancen neuer Angebote zu sprechen. Erst wenn die Mitarbeitenden verstehen, weshalb eine Veränderung sinnvoll oder notwendig ist, entsteht eine Grundlage für alles Weitere.

Im zweiten Schritt geht es um Desire, also die persönliche Bereitschaft, die Veränderung mitzutragen. Ich übersetze das gerne mit der Frage: Was ist für mich drin? Dabei denke ich an die bereits beschriebenen Möglichkeiten, eigene Interessen einzubringen, sich weiterzuentwickeln oder einen besonderen Beitrag zur Gesundheitsversorgung zu leisten. Für manche Mitarbeitende ist vielleicht die Zukunftssicherheit ihres Arbeitsplatzes besonders wichtig, für andere die Möglichkeit, mehr Verantwortung zu übernehmen oder Menschen noch umfassender zu beraten.

Erst danach folgt mit Knowledge der dritte Schritt, nämlich das notwendige Wissen. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, Schulungen zu organisieren, fachliche Qualifikationen aufzubauen und neue Abläufe kennenzulernen. Genau hier wird in Unternehmen allerdings häufig direkt angefangen. Die Schulung ist gebucht, das Wissen wird vermittelt und anschließend wundert man sich, weshalb die Begeisterung und Umsetzung hinter den Erwartungen zurückbleiben.

Mit dem vierten Schritt, Ability, kommen wir zur tatsächlichen Fähigkeit, das Gelernte anzuwenden. Gerade bei Blutentnahmen oder Impfungen wird sehr deutlich, wie wichtig dieser Unterschied ist. Jemand kann eine Schulung erfolgreich absolvieren und fachlich bestens vorbereitet sein, sich bei der praktischen Durchführung aber trotzdem unwohl fühlen. Auch organisatorische Fragen spielen hier eine Rolle: Gibt es geeignete Räumlichkeiten, ausreichend Zeit und die notwendigen Materialien? Wie werden Termine vereinbart und wer übernimmt welche Aufgaben?

Und schließlich kommt Reinforcement, also die nachhaltige Verankerung der Veränderung. Hier schließt sich der Kreis zu meinem Hotelbeispiel. Wir schauen uns an, wie sich die neuen Abläufe bewähren, würdigen Erfolge und passen das an, was im Alltag noch Schwierigkeiten bereitet. Regelmäßige Gespräche, klare Ziele und ein offener Umgang mit Erfahrungen helfen dabei, dass aus einer einmaligen Aktion eine dauerhafte Verbesserung wird.

Für mich ist dieses Modell eine wunderbare Orientierung, weil es uns daran erinnert, dass Veränderung Zeit, Beteiligung und unterschiedliche Voraussetzungen braucht. Gerade in Apotheken, in denen Menschen mit ganz verschiedenen Qualifikationen, Persönlichkeiten und Interessen zusammenarbeiten, finde ich diesen Blick besonders wertvoll.

Die Zukunft deiner Apotheke ist Teamarbeit

Ich glaube fest an die Zukunft der Apotheke und sehe gerade in der Prävention und Gesundheitsförderung unglaublich viele Möglichkeiten. Apotheken sind bereits heute wichtige Anlaufstellen für Menschen mit ganz unterschiedlichen gesundheitlichen Fragen. Die Weiterentwicklung hin zu einem noch umfassenderen Gesundheitszentrum bietet aus meiner Sicht großes Potenzial.

Gleichzeitig braucht es dafür klare Entscheidungen. Welche Leistungen passen zu unserer Apotheke, welche Kundinnen und Kunden möchten wir besonders ansprechen und wo liegen unsere Stärken? Wie können wir unsere Angebote wirtschaftlich sinnvoll gestalten und bestehende Prozesse so organisieren, dass wieder mehr Zeit für neue Aufgaben entsteht? Und vor allem: Wie schaffen wir es, unser Team auf diesem Weg mitzunehmen?

Ich finde, genau darin liegt eine der wichtigsten Führungsaufgaben der kommenden Jahre. Denn jede Apotheke hat ihre eigene Geschichte, ihre eigenen Herausforderungen und Menschen mit ganz unterschiedlichen Fähigkeiten. Diese Potenziale zu erkennen, miteinander zu verbinden und daraus eine gemeinsame Richtung zu entwickeln, ist aus meiner Sicht wichtig für eine erfolgreiche Zukunft.

Vielleicht nimmst du dir deshalb für euer nächstes Teammeeting einfach einmal drei Fragen vor:
• Wo sehen wir aktuell die größten Chancen für unsere Apotheke?
• Welche Themen begeistern uns wirklich und wer möchte sich künftig intensiver damit beschäftigen?
• Welche bestehenden Aufgaben oder Prozesse können wir vereinfachen, damit wir Zeit und Raum für neue Entwicklungen gewinnen?

Allein aus diesen Fragen können schon spannende Gespräche entstehen und vielleicht sogar die ersten konkreten Schritte für eine gemeinsame Zukunft.