Ja, nein, vielleicht. Was, wenn ich die falsche Entscheidung treffe? Ganz einfach: scheiter weiter!

Du triffst täglich über 20.000 Entscheidungen und sicher gibt es dabei auch falsche Entscheidungen. Wann ist eine Entscheidung überhaupt eine falsche? Wie gehst du damit um? Und dann gibt es noch die Entscheidung, die du ewig vor dir herschiebst. Soll ich oder soll ich nicht? Eins weiß ich aus Erfahrung: Der Zustand des Nicht-Entscheidens ist der schlimmste. Das Rumeieieiern kostet uns mehr Energie als eine Entscheidung, die wir einmal getroffen haben – egal welche Konsequenz daraus erfolgt.

Wenn es um Entscheidungen geht, gibt es ein paar Dinge,
die du dir dafür immer wieder vor Augen führen kannst:

Bist du bereit, den Preis dafür zu zahlen?
Der Entscheidungsprozess ist immer der gleiche
Lerne vom Bauch und frage deinen Kopf
Ein Nein im richtigen Moment, kann ein ehrliches Ja für dich bedeuten
Falsche Entscheidung getroffen? Scheiter weiter!

Ich würde so gerne, aber … Bist du bereit, den Preis dafür zu zahlen?

Mir hat vor vielen Jahren das Buch „Die Entscheidung liegt bei dir“ von Reinhard K. Sprenger die Augen geöffnet. Ich erinnere mich gut an den Moment, als ich mit dem Hörbuch anfing: Ich war im Fitnessstudio (das war nur eine kurze Phase bevor ich wieder zur Karteileiche wurde) und hörte während ich trainierte: „Was würdest du jetzt lieber tun? Am Strand liegen? (…) Ich habe eine gute Nachricht für dich: Das kannst du. Denn die Entscheidung dafür liegt ganz alleine bei dir. (…) Die Frage ist, ob du bereit bist, den Preis dafür zu zahlen.

Das klingt schon fast zu banal und dennoch ist es der entscheidende Punkt. Gerade in der jetzigen Zeit scheint ein Umschwenken in eine neue Richtung oder einen Traum genau jetzt zu verwirklichen absolut unmöglich. Dazu zwei Beispiele aus meinem Freundeskreis: Ein Freund von mir sollte eigentlich seit März in den USA arbeiten – ein anderer wollte dorthin um zu Reisen und eine Auszeit zu nehmen. Der eine hat sein Arbeitsvisum trotz aller Umstände bekommen und fliegt das kommende Wochenende gen Traumjob, der andere hat einen „kleinen“ Umweg über ein anderes Land genommen, um zwei Wochen später in die USA einreisen zu dürfen und startet jetzt mit seinem umgebauten Wohnmobil seine Traumreise.

Es geht alles, wenn du die Entscheidung getroffen hast und bereit bist, den Preis dafür zu zahlen. Sei es der Einsatz, dich hinter etwas zu klemmen oder deinen Job zu riskieren, wenn du blau machst.

Der Entscheidungsprozess – das schlimmste was passieren kann

Der Entscheidungsprozess sieht immer ziemlich ähnlich aus. Je größer die zu treffende Entscheidung ist, sollte man sich den ein oder anderen Schritt genauer anschauen.

  1. Bekomme Klarheit. Was will ich wirklich? Was ist mein Ziel? Hier gilt es auch Kopf und Bauch abzugleichen. Ein rein kopfgesteuertes Ziel wird den nächsten Schritten nicht standhalten.
  2. Überlege Alternativen/Lösungen. Wie risikobereit bin ich? Was bin ich bereit zu tun? Bin ich bereit Kompromisse einzugehen?
  3. Denke in Szenarien. Was ist das schlimmste, was passieren kann und was bedeutet es für mich? Ist das akzeptabel und kann ich damit umgehen? Gibt es etwas, um das Worst-Case-Szenario-Risiko zu minimieren? Und denke dabei in alle möglichen Richtungen, in die deine Entscheidung gehen kann.
  4. Triff deine Entscheidung.
  5. Steh‘ dazu.

Mein persönlicher Fokus liegt auf dem dritten Schritt, da dieser mir am meisten hilft, zu einer schnellen Entscheidung zu kommen.

Mittendrin statt nur dabei

Die Person in der Mitte – das bin ich. Auch wenn ich für verrückte Sachen bekannt bin, heißt es nicht, dass ich mir vorher seeehr viele Gedanken mache, bevor ich eine Entscheidung treffe. Schon als ich diesen Bunker gesehen habe und einige von da springen sah, wusste ich, dass ich das auch will. Damit waren Schritt 1 (Klarheit bekommen: Ja, ich will das) und Schritt 2 (Alternative: kneifen – will ich nicht) schnell erledigt. Bei Schritt 3 sind mir so einige Szenarien eingefallen und ich kann verstehen, dass manche Menschen aus Angst nicht springen. Aber einige meiner Szenarien konnte ich verhindern, in dem ich beispielsweise ein Top anzog und festknotete, Wasserschuhe anzog und kerzengerade ins Vergnügen sprang. Und so bleibt es einer dieser Momente in meinem Leben, den ich nie vergessen werde.

Lerne vom Bauchgefühl und frage deinen Kopf

Wenn es um Entscheidungen geht, dann hört man oft „Vertrau‘ auf dein Bauchgefühl“ und tatsächlich ist unser limbisches System (die Region im Gehirn, die für Emotionen zuständig ist) an jeder Entscheidung beteiligt. Manche sagen zum Bauchgefühl auch Intuition und die Entscheidung aus dem Bauch heraus fällt in 0,2 Sekunden.

Ich war von der D-Jugend bis zu den Damen erste Torhüterin und vermutlich lag das an meiner schnellen Reaktion und der fehlenden Angst vor dem Ball. Aber es gibt einen weiteren Erfolgsfaktor, um ein guter Torwart zu sein: die Intuition. Ein Torhüter hat bei einem Elfmeter gerade mal 0,4 Sekunden Zeit, in die richtige Ecke zu springen – wohl kaum Zeit lange Entscheidungen zu treffen. Und da kommt die Intuition (unser Bauchgefühl), ins Spiel, denn die beruft sich auf Erfahrungen, die wir in uns gespeichert haben. Jede Entscheidung, die wir treffen, wird unser Bauchgefühl noch besser machen – und damit auch jede falsche Entscheidung.

Dennoch, bei aller Liebe zum Bauchgefühl, denk an den Abgleich zwischen Kopf und Bauch um Klarheit zu erlangen (Schritt 1 des Entscheidungsprozesses). Die Erfahrung ist der Nachbar der Komfortzone. Nur weil wir etwas schon immer so gemacht haben, heißt es nicht, dass es auch weiterhin toll ist. Verwechsel nicht Bequemlichkeit mit Bauchgefühl.

Ein Nein im richtigen Moment, kann ein ehrliches Ja für dich bedeuten

Ich habe letztes Wochenende „Nein“ gesagt und obwohl die Entscheidung aus dem Bauch kam und ich wusste, dass sie richtig ist, habe ich mich dabei ertappt wie ich meine Entscheidung infrage gestellt habe. Da waren sie: die Zweifel. Warum ist das eigentlich so? Und dann fiel es mir auf: Da das steckt das Wort ZWEI in Zweifel. Ich habe mir darüber Gedanken gemacht, was andere wohl über meine Entscheidung denken, dabei war für mich allein die Entscheidung die richtige.

Falsche Entscheidung getroffen? Scheiter weiter!

Und dann gibt es sie noch – die falsche Entscheidung. Von der banalen falschen Entscheidung (z.B. die falsche Essenswahl im Restaurant) bis zu der weitreichenden: Den Job angenommen zu haben, obwohl der Bauch NEIN gerufen hat oder die Entscheidung eines Chefs, der damit das Unternehmen an die Wand fährt. Die Angst davor eine falsche Entscheidung zu treffen, einen Fehler zu begehen, ist hier leider üblich. In Deutschland hinken wir noch sehr weit hinterher, wenn es um die Fehlerkultur geht.

Am Ende des Entscheidungsprozesses steht als letztes: „Steh dazu“. Und obwohl jeder das Sprichwort kennt „Wir alle machen Fehler“, wollen wir nicht diejenigen sein, die ihn begehen.

In anderen Ländern werden „Fuck-up Nights“ veranstaltet, bei denen Top-Manager von ihrem Scheitern erzählen. Bei uns klappt das nicht so gut – vielleicht liegt es an dem Wort F*** (was ich wirklich gut verstehen kann), aber ich glaube es liegt vor allem daran, dass die wenigsten deutschen Unternehmen eine gut etablierte Fehlerkultur leben. Ich würde mir ein leicht angepasstes Format wünschen:

Das eine ist, eine falsche Entscheidung zu treffen – nicht dahinterzustehen, ist allerdings der wahre Fehler. Vertuschen bringt nichts. In der akuten Situation heißt es erst einmal das Feuer zu löschen, damit die Schäden so klein wie möglich bleiben. Und danach heißt es daraus zu lernen. Ich finde das Zitat (leider von einem unbekannten Verfasser) sehr treffend: „Einen Fehler zu machen ist menschlich. Beim zweiten Mal ist es Nachlässigkeit und beim dritten Mal Absicht.

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